Berlin, 26.11.2024
Liebe Leserinnen und Leser,
herzlich willkommen zu einer weiteren Ausgabe unseres TSC Real Estate-Newsletters!
Wir freuen uns, Ihnen wieder spannende Einblicke und aktuelle Entwicklungen aus der Branche Senior Living & Care, Healthcare sowie Healthcare Infrastructure Real Estate präsentieren zu können.
Trotz anhaltender Marktunsicherheiten, die viele Teile der Immobilienbranche betreffen, sind unübersehbare Tendenzen von Bewegung im Markt erkennbar, was grundsätzlich ein positives Zeichen ist. Dabei bleibt unser Fokus klar: die Identifikation von Chancen, die auch langfristig stabile und nachhaltige Renditen ermöglichen.
In dieser Ausgabe beleuchten wir die jüngsten Entwicklungen, mit besonderem Fokus auf die (erneut) wachsende Rolle internationaler Investoren. Wir werfen einen Blick auf die robusten Fundamentaldaten in den Segmenten Pflege und Betreutes Wohnen sowie ambulante medizinische Versorgung und zeigen auf, warum gerade diese Assetklassen für Investoren mehr denn je attraktiv bleiben. Zudem informieren wir Sie über bedeutende Transaktionen, wie unsere erfolgreiche Beratung beim Erwerb des Katharinenhof-Pflegeportfolios, sowie das neue, von uns mitgegründete Joint-Venture, „The Healthcare Experts Group“, das sich die Mitgestaltung der Zukunft der Gesundheitsversorgung und deren Umsetzung zur Aufgabe gemacht hat.
Wir hoffen, dass Sie auch aus dieser Ausgabe viele wertvolle Impulse mitnehmen können.
Ihr Berthold Becker
Geschäftsführer TSC Real Estate Germany GmbH
Themen in dieser Ausgabe
- Beckers Talk: Markt im Wandel – Chancen ergreifen
- Erfolgreiche Beratung beim Ankauf und Vermietung des Katharinenhof-Pflegeportfolios
- Joint-Venture „The Healthcare Experts Group“ – neue Wege in der Gesundheitsversorgung
- Medizinische Versorgung im Spannungsfeld zwischen Krankenhausreform und Unterversorgung
- Berthold Becker in der Immobilienzeitung
Beckers Talk: Markt im Wandel – Chancen ergreifen
Berthold Becker, Geschäftsführer, TSC Real Estate GmbH
Der deutsche Immobilienmarkt ist nach wie vor mehrheitlich von Zurückhaltung geprägt, insbesondere bei institutionellen Investoren. Unsicherheiten im globalen wirtschaftlichen Umfeld und eine allgemeine Investitionszurückhaltung haben dazu geführt, dass viele Akteure sich abwartend verhalten. Doch wer genau hinsieht, erkennt: Gerade in diesen Zeiten entstehen für strategische Investoren große Chancen.
Vor allem internationale, tendenziell risikoaffinere Investoren aus dem angelsächsischen Raum, den USA und Asien zeigen verstärkte Aktivitäten in Europa und nicht zuletzt auf dem deutschen Markt. Diese Investoren, die nicht zuletzt auf eine langfristige Perspektive setzen, haben Deutschland weiterhin als stabilen und verlässlichen Investitionsstandort behalten und wieder erkannt. Mit der Position als größte Volkswirtschaft Europas und der führenden Rolle im Gesundheitssektor sowie der demografischen Entwicklung und entsprechenden Fundamentaldaten, bietet Deutschland nach wie vor hervorragende Rahmenbedingungen für nachhaltige Investments in diesem Segment.
Während deutsche Investoren aktuell noch abwartend agieren, nutzen ausländische Player die Gelegenheit, frühzeitig einzusteigen. Sie setzen auf langfristig ertragsstarke Assetklassen, etwa stationäre Pflege, Betreutes Wohnen und auch Rehabilitationseinrichtungen – Immobilien, die durch ihre stabilen Cashflows und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber konjunkturellen Schwankungen überzeugen. Diese Segmente punkten zudem durch ihre planbaren Wachstumsprognosen und das steigende gesellschaftliche Bedürfnis nach seniorengerechtem Wohnen und hochwertiger medizinischer Versorgung.
Auch wenn es in einigen Bereichen noch Unsicherheiten gibt – die nachhaltige Finanzierbarkeit des Rentensystems und der Pflege oder auch die zwar beschlossene, aber hinsichtlich Umsetzung durchaus in Frage stehenden Krankenhausreform seien hierbei zuvorderst genannt –, so zeigt sich doch ein klarer Trend: Die Investitionsbereitschaft kehrt zurück. Immer mehr Akteure erkennen, dass gerade der Healthcare- und Seniorenimmobiliensektor zu den widerstandsfähigsten und zukunftsträchtigsten Bereichen gehört. Dies wird umso mehr belegt durch die erfolgte Absenkung der Leitzinsen, die weiterhin günstigen Einstiegspreise für stabile und langfristig vermietete Bestandsimmobilien und die sich damit ergebenden sehr interessanten, weitestgehend inflationsgeschützten Immobilienrenditen. Diese sind auch mittlerweile sehr konkurrenzfähig mit denjenigen der internationalen liquiden Kapitalmärkte. Es bleibt also spannend mit steigender Tendenz – wir sind überzeugt, dass dieser Markt in den kommenden Monaten und wenigen Jahren wieder deutlich an Dynamik gewinnen wird.
Fazit: Der deutsche Markt mag derzeit in Teilen weiterhin eingefroren wirken, und gerade deutsche institutionelle Investoren zurückhaltend agieren, doch das Vertrauen in seine langfristige Stärke, besonders in den Bereichen Pflege, Seniorenwohnen und Healthcare, bleibt ungebrochen. Gerade vor dem Hintergrund vorhandener Unsicherheiten in anderen Assetklassen erkennen ausländische Investoren dieses Potenzial zunehmend und nutzen die Gelegenheit, frühzeitig zu investieren – ein klares Zeichen für die Robustheit und Attraktivität des deutschen und insbesondere des deutschen Healthcare Immobilienmarktes.
Einzelne Sektoren im Fokus
1. Ambulante Versorgung – ein Zukunftsmarkt mit großen Chancen
Die medizinische Versorgung – insbesondere im stationären Bereich – in Deutschland befindet sich mitten in einem Umbruch. Davon ist nicht zuletzt auch die ambulante Versorgung dergestalt betroffen, dass die Versorgungsaufgaben sich mehr denn je dorthin verlagern werden müssen. Sowohl die Versorgungsqualität als auch die Kosteneffizienz betreffend – rückt das Paradigma „ambulant vor stationär“ und „Prävention vor Krankheit oder Pflege“ in den Fokus, was die Nachfrage nach entsprechenden ambulanten Versorgungsimmobilien erhöht.
Doch moderne ambulante Gesundheits- und Versorgungszentren, die sowohl konzeptionell zukunftsträchtig, funktional flexibel als auch organisatorisch und digital ausgestattet und vernetzt sind, sind nach wie vor Mangelware. Es besteht jetzt schon und erst recht perspektivisch eine substanzielle Unterversorgung im ambulanten Bereich. Vor allem für institutionelle Investoren bietet das eine attraktive Möglichkeit, von den positiven Markttrends zu profitieren.
Gleichzeitig stellt sich die Frage nach der Verfügbarkeit geeigneter Produkte. Ambulante Versorgungsimmobilien werden gebraucht, sind aber nicht in ausreichender Anzahl und häufig auch nicht in adäquater und zukunftsfähiger Form vorhanden.
Die moderne Versorgungsimmobilie wird in engem Zusammenhang mit der Restrukturierung des stationären Versorgungsbereichs entstehen und entstehen müssen. Dieser Transformationsprozess der stationären Versorgungslandschaft ist der Entwicklung ambulanter Versorgungsimmobilien häufig vorgeschaltet. Bevor eine konkrete Projektentwicklung angedacht werden und erfolgen kann, sind vorerst medizinische Versorgungskonzepte – anfänglich unabhängig von Immobilien – in Kommunen und Gemeinden zu restrukturieren und zu entwickeln. Erst sukzessive oder im Anschluss daran kann es darum gehen, wo und wie (ambulante) gesundheitliche Versorgung – eng verzahnt mit stationären Vollversorger- und Akutkrankenhäusern – stattfinden kann.
Über diesen Gesamtprozess setzen wir mit unserem neu mit-gegründeten Joint-Venture „The Healthcare Experts Group“ an. Mit unserer tiefgreifenden Expertise und einem starken Partnernetzwerk wollen wir diesen Transformationsprozess begleiten, die Entwicklung moderner, nachhaltiger Versorgungszentren vorantreiben und allen voran, medinische Versorgung besser gestalten.
Mit solchen Immobilien und Zentren schaffen wir nicht nur dringend benötigte Versorgungsinfrastruktur, sondern fördern auch ein integriertes, präventiv ausgerichtetes und modernes Konzept zur Gesundheitsversorgung – auch in Kombination mit E-Health und telemedizinischen Aspekten –, das sich an den Bedürfnissen einer alternden Gesellschaft mit höherem und spezifischem medizinischem Versorgungsbedarf orientiert. Diese Zentren bieten Ärzten, Therapeuten und anderen Gesundheitsberufen, beratenden Institutionen sowie gewerblichen Medizinbereichen eine flexible und effiziente Arbeitsumgebung und tragen damit zur nachhaltigen Verbesserung der Gesundheitsversorgung bei.
2. Stationäre Pflege – Stabilität und Wachstum
Der Markt für stationäre Pflege hat sich nachhaltig als eines der robustesten und beständigsten Segmente im Gesundheitsimmobiliensektor erwiesen. Trotz der Belastungen durch gestiegene Personalkosten, inflationsbedingt rasant gestiegene Kosten für Betrieb, Pflege und Immobilie und bei gleichzeitig deutlich zeitverzögerten Anpassungen der Refinanzierungen, hat die Branche bzw. das Pflegesegment eine beeindruckende Widerstandsfähigkeit bewiesen. Im Vergleich zu anderen Assetklassen, wie Büro oder auch Handel, hat sich das mit der Pflegeimmobilie verbundene Risiko – trotz der vielfältigen Unsicherheiten und Disruptionen im Jahr 2023 – als überdurchschnittlich gering erwiesen, bei gleichzeitig sehr stabilen Mieterträgen. Viele Betreiber konnten im Laufe des zweiten und dritten Quartals 2024 ihre Margen wieder deutlich verbessern – wir beobachten aktuell EBITDA-Margen bei Pflegebetreibern von 5 bis 8 % bis in Spitzen von teilweise über 10 %, mit weiter positiver Entwicklung.
Zudem entsteht neben der klassischen Senioren-Dauerpflege ein weiteres Bedarfssegment. Aufgrund des Kostendrucks im Beriech der stationären medizinischen Versorgung, also in klassischen Akut- und Vollversorgerkrankenhäusern, werden die Aufenthaltsdauern von Patienten immer kürzer. Patienten werden nach einer Operation häufig unmittelbar dann wieder entlassen, sobald diese nicht zwingend ein stationäres Krankenbett mehr belegen müssen. Gleichzeitig können aber gerade ältere Patienten dann noch nicht wieder in die klassische Seniorenpflege integriert werden. Genau hier entsteht ein zunehmendes Bedarfssegment der Kurzzeitpflege mit entsprechendem Zugang zu medizinischer Versorgung, idealerweise lokal in unmittelbarer Nähe zur stationären Krankenhauseinheit.
Das große Interesse an stationären Pflegeimmobilien bleibt ungebrochen – zunehmend auch bei institutionellen Investoren. Stationäre Pflege steht weiterhin hoch im Kurs, da sie planbare und stabile Renditen bietet. Die langfristigen Wachstumsaussichten sind intakt, und der demografische Wandel sorgt dafür, dass der Bedarf an Pflegeplätzen weiter steigen wird. Die größte Herausforderung im Bereich der Pflege ist und bleibt die Verfügbarkeit von Personal, welche nur mit gemeinsamen Anstrengungen, sowohl von Betreiberseite als auch von politischer und nicht zuletzt auch über die Herabsetzung von diesbezüglichen regulatorischen Anforderungen, zu meistern ist.
3. Betreutes Wohnen – der unterschätzte Wachstumsmarkt
Service Living bzw. betreutes Wohnen gewinnt zunehmend an Bedeutung, da es eine wichtige Ergänzung und in Teilen auch Ersatzfunktion zur stationären Pflege darstellt. Dieses Segment bietet Senioren ein selbstbestimmtes Leben mit gleichzeitigem Zugang zu unterstützenden Dienstleistungen – eine Alternative, die immer stärker nachgefragt wird.
Doch auch hier gibt es Herausforderungen: Das Angebot an betreuten Wohnimmobilien bleibt in Deutschland begrenzt, und Entwicklungsprojekte sind rar. Der weitaus größte Teil der derzeit bestehenden Einheiten befindet sich im Besitz kommunaler und gemeinnütziger Träger, während der private Sektor nur einen geringen Anteil (ca. 3.6 %) hält. Das vorhandene Angebot liegt überwiegend im mitunter sehr hochpreisigen Segment, was letztlich auf die hohen Herstellungs- und Betriebskosten zurückzuführen ist.
Wir sehen allerdings großes Potenzial und nachhaltigen Bedarf in dem Segment des Service Livings und betreuten Wohnens. Wir gehen davon aus, dass – sobald sich der Kapitalmarkt und Grundstücksmarkt weiter stabilisiert und nicht zuletzt effizienter und schneller gebaut werden kann – deutliche Dynamik in dieses Segment kommen wird und wieder vermehrt Projekte umgesetzt werden. Weiterhin sehen wir in diesem Segment eine deutliche Tendenz hin zu Vertragsarten zwischen Immobilieneigentümer und Betreiber, die sowohl Risiken als auch Chancen im laufenden Betrieb, teilen und beide Parteien entsprechend ergänzen.
Mittel- und langfristig erwarten wir, dass sich das Segment betreutes Wohnen zu einem der dynamischsten Wachstumsmärkte im Gesundheitssektor entwickeln wird.
Erfolgreiche Beratung beim Ankauf und Vermietung des Katharinenhof-Pflegeportfolios
© Deutsche Wohnen
Ein aktuelles Beispiel, welches die Investitionsbereitschaft internationaler Investoren im Health- und Care-Segment mit Unterstützung und Führung durch die Expertise und Marktdurchdringung von TSC Real Estate aufzeigt, ist die erfolgreiche Beratung des Civitas European Social Infrastructure Fund SCSp beim Erwerb des Katharinenhof-Pflegeportfolios. Diese umfangreiche Transaktion, die mehr als 300 Millionen Euro Kaufpreisvolumen umfasste, beinhaltete den Kauf von 26 Pflegeimmobilien durch Civitas und von 27 Pflegebetrieben durch Alloheim, die ebenfalls durch TSC Real Estate für diese Transaktion involviert werden konnte. Die Einrichtungen verteilen sich auf die Bundesländer Berlin, Hamburg, Niedersachsen, Thüringen, Sachsen und Brandenburg.
Dabei hat TSC Real Estate – neben der Deal-Creation für und mit dem Erwerber – den Transaktionsprozess gesteuert und die Commercial-Due-Diligence dazu erstellt. Diese Transaktion zeigt exemplarisch, dass internationale Investoren nach wie vor großes Vertrauen in den deutschen Pflegemarkt haben. „Ein solcher komplexer Transaktionsprozess erfordert nicht nur tiefgreifendes Fachwissen und Marktdurchdringung, sondern auch die Fähigkeit, verschiedene Interessen erfolgreich zu koordinieren“, sagt Maximilian Woiczikowsky, Director Investment Management bei TSC Real Estate. „Wir sind stolz darauf, als führender Berater in diesem Prozess agiert zu haben und erneut den Einstieg internationalen Kapitals in den deutschen Pflegemarkt begleitet zu haben.“
Die Pflegeeinrichtungen sind in strategisch bedeutenden Lagen angesiedelt, insbesondere in Berlin und Hamburg. Diese zentralen Lagen machen das Portfolio besonders attraktiv für langfristige Investitionen, da sie nicht nur eine hohe Nachfrage, sondern auch eine starke Mietstabilität gewährleisten. Mehr als 85 % der Mieteinnahmen stammen aus diesen beiden Regionen, was die wirtschaftliche Sicherheit des Portfolios unterstreicht.
Alloheim, der nach Anzahl an Einrichtungen größte Pflegebetreiber in Deutschland, hat langfristige Mietverträge über 25 Jahre abgeschlossen. Gemeinsam mit Civitas plant Alloheim ein umfassendes Capex-Programm zur Modernisierung der Einrichtungen, das auch energetische Sanierungen und ESG-Maßnahmen nach einem zu etablierenden Klimafahrplan beinhaltet. Dies unterstreicht den Fokus auf Nachhaltigkeit und langfristigen Werterhalt.
TSC wird mit Closing der Transaktion auch das laufende Management der Immobilien übernehmen.
Joint-Venture „The Healthcare Experts Group“ – neue Wege in der Gesundheitsversorgung
Mit der Gründung der „The Healthcare Experts Group“ setzt TSC zusammen mit weiteren Partnern neue Maßstäbe in der Entwicklung moderner Versorgungskonzepte und -immobilien. Dieses Joint-Venture vereint spezialisierte und komplementäre Expertise aus verschiedenen Bereichen, um den dringenden Bedarf an modernen, flexiblen Gesundheitszentren zu decken. Das neue Unternehmen richtet sich an Kommunen und Landkreise, Unternehmen des Gesundheitswesens, Investoren sowie sonstige Eigentümer, Projektentwickler, Träger und Betreiber.
Im Mittelpunkt steht dabei das Ziel, den Wandel von stationären Kliniken hin zu stärker ambulant geprägten Versorgungsstrukturen aktiv zu begleiten und zu steuern. Moderne Gesundheitszentren sind nicht nur Orte medizinischer Versorgung, sondern integraler Bestandteil des städtischen und innerörtlichen Lebens und der Gesundheitsförderung. Mit einem klaren Fokus auf Prävention, allgemeinmedizinischer und langzeittherapeutischer Versorgung, umfassender Vernetzung sowie funktionaler Flexibilität und Aufenthaltsqualität bieten sie nicht nur Ärzten und Patienten, sondern auch Investoren langfristig attraktive Perspektiven.
Die Herausforderung besteht darin, geeignete Standorte zu finden und – gerade im derzeitigen Kapitalmarkt – Kapital frühzeitig in den Entwicklungsprozess zu integrieren. Auch hier bringt TSC Real Estate seine gesamte Markt- und Planungskompetenz ein, um innovative und zukunftsfähige Immobilienlösungen und attraktive Immobilieninvestitionslösungen insbesondere für institutionelles Kapital zu schaffen. Mit dem Joint-Venture „The Healthcare Experts Group“ (kurz: THE Group®) und der darin gebündelten spezifischen und komplementären Expertise, wollen wir mit unseren Partnern künftig den gesamten Transformationsprozess abbilden – beginnend mit der Restrukturierung bestehender stationärer Klinikstrukturen über die Neukonzeptionierung von Versorgungsstrukturen mit ambulantem Schwerpunkt, den Umbau und die Neuentwicklung adäquater Immobilien sowie deren Bau bis hin zur Einbindung in ein passendes institutionelles Investmentprodukt.
Der Bedarf an solchen Zentren ist groß, und wir sehen uns in der Verantwortung, diesen Prozess maßgeblich zu gestalten und nicht zuletzt auch mit umzusetzen. Mit dem Joint-Venture THE Healthcare Experts Group legen wir den Grundstein für eine bessere Gesundheitsversorgung von morgen.
Medizinische Versorgung im Spannungsfeld zwischen Krankenhausreform und Unterversorgung
Prof. Dr. Christian Höftberger, Gesundheitsunternehmer
Frage: Welche Herausforderungen bestehen derzeit im Bereich der deutschen Gesundheitsversorgung, bezogen auf die grundsätzlichen Strukturen?
Prof. Dr. Christian Höftberger: Die Frage rührt an den Grundpfeilern unserer Gesundheitsversorgung – lassen Sie mich deshalb ein wenig ausholen. Die deutsche Gesundheitsversorgung leidet – vereinfacht gesagt – an folgenden systemischen Defiziten:
Seit Otto von Bismarck (also seit knapp 140 Jahren) haben wir in Deutschland zwei stark getrennte und abgegrenzte „Sektoren“ der Gesundheitsversorgung, nämlich den ambulanten Teil, den die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte durch Kassenärztliche Vereinigungen selbständig organisieren und den stationären Sektor, die Krankenhäuser. Beide Sektoren sind bislang strikt voneinander getrennt. Bismarck lebte in einer Epoche, die von starkem Bevölkerungswachstum geprägt war. Im Zeitraum von 1871 erhöhte sich die Einwohnerzahl von 41 Millionen im Deutschen Reich auf 56 Millionen um 1900. Deshalb überrascht es nicht, dass das von ihm in seinen Grundpfeilern konzipierte System mit der aktuellen demographischen Entwicklung – weniger Kinder, längere Lebenserwartung – nicht mehr kompatibel ist. Hinzu kommen weitere strukturelle Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte, die ich nur schlagwortartig anreiße: Medizinischer Fortschritt, Ambulantisierung und Digitalisierung.
Seit Corona erleben zudem alle Leistungserbringer eine nachlassende Nachfrage. Patienten bewerten ihre Krankheit nun anders und frequentieren stationäre Versorgungseinrichtungen nicht mehr so häufig und „gerne“ wie vor Corona. Das führt zu einer niedrigeren Auslastung bei faktisch mindestens gleichbleibenden (Vorhalte-) Kosten. Auch deswegen ist die ökonomische Lage vieler Leistungserbringer schlecht, vier von fünf Kliniken schreiben 2024, viele davon zum wiederholten Male, rote Zahlen.
Schließlich kommen der Fachkräftemangel und eine fehlende vollständige Finanzierung durch die Kassen hinzu. Die Defizite und damit die Sanierungsnotwendigkeiten steigen, die Digitalisierung birgt viel Potenzial, hinkt allerdings noch gewaltig. Mit weniger Fachkräften können nicht alle Leistungen erbracht werden, was die Erlöse nochmals schmälert. Das führt zu einer abnehmenden Attraktivität vieler bisheriger Leistungserbringer, sowohl am Arbeitsmarkt als auch aus Investorenperspektive. Gemeinsam wirken die drei Stränge toxisch.
Frage: Woher rührt der hohe Bedarf an ambulanten Versorgungsimmobilien und kann man diesen beziffern?
Prof. Dr. Christian Höftberger: Die Bedarfe nach ambulanten Versorgungsstrukturen steigen aus mehreren Gründen: Medizin entwickelt sich weiter. Immer mehr Eingriffe können ambulant erbracht werden. Während früher im Krankenhausmanagement die Frage gestellt wurde, ob ein Eingriff ambulant erbracht werden kann, stellt sich heute oft die Frage, ob ein Eingriff stationär erfolgen muss. Denn die Ressourcen sind knapp und müssen für jene Patienten vorgehalten werden, die ernsthaft erkrankt sind und die stationäre Betreuung benötigen. Die Politik fördert den Prozess der Ambulantisierung, denn im Kern ist „weniger Aufwand für die Behandlung“ ein „mehr an Kosteneffizienz“. Ambulante Behandlungen sind schneller, kosten weniger Geld und binden weniger Ressourcen.
Wenn nun bisherige stationäre Leistungserbringer ihr Spektrum auf ambulante Behandlungen umstellen, so benötigen sie dafür ambulante Strukturen. Man kann nicht einfach eine stationär konzipierte Struktur, z.B. eine Klinik, ohne Veränderung als ambulantes Gesundheitszentrum nutzen. Denn Wegeführung, Logistik, Parkmöglichkeiten und andere Rahmenbedingungen müssen signifikant anders gestaltet werden, um mit der – deutlich niedrigeren – ambulanten Vergütung über die Runden zu kommen. Ambulante OP-Zentren, Eingriffszentren und Tagesbetreuungsmöglichkeiten fordern also neuen, wachsenden Bedarf an räumlichen ambulanten Strukturen. Genau beziffern kann man das leider nicht, aber bezogen auf die Größe des Gesundheitssektors in Deutschland spreche ich aus eigener Erfahrung von einem riesigen, einem Milliardenmarkt.
Frage: Wie könnte ein entsprechender Lösungsansatz erfolgsversprechend gestaltet werden?
Prof. Dr. Christian Höftberger: Die Lösungsmöglichkeiten liegen vor allem darin, die Versorgungsstrukturen – und zwar bereits initial nicht notwendigerweise mit Immobilienbezug -vor Ort zu analysieren und passgenaue Angebote für die Akteure der (ambulanten) Gesundheitswirtschaft zu schaffen: wer von den heutigen VertragsärztInnen könnte sich vorstellen, seine Praxis in eine neue Gesundheitsimmobilie zu verlagern, welche vakanten Sitze gibt es, wie können diese Sitze nachbesetzt werden und gibt es eine Anstellungsoption für angehende MedizinerInnen, die – jedenfalls zu Beginn ihrer Karriere – meist noch nicht selbständig sein wollen. Wenn man diese Bedarfe sauber erhoben hat und die Immobilie von innen heraus – also dem Bedarf in einer Region folgend – und den Bedürfnissen der MedizinerInnen und der anderen Akteure folgend entwickelt, dann ist das eine hoch interessante Assetklasse, weil es zahlungskräftige, stabile Mietverhältnisse gibt. Das liegt auch daran, dass die Attraktivität eines Ärzte- und Gesundheitszentrums mit vielen Anbietern – Therapie, Apotheke, Sanitätsfachhandel, andere Dienstleistungen und viele verschiedenen Facharztrichtungen – für alle Beteiligten höher ist als die bestehenden Strukturen. Das gilt im Übrigen oft auch für unsere Krankenhausstrukturen, die für diese hohe Anzahl an ambulanten Patienten einfach nicht gemacht sind.
Frage: Wie sehen modern konzipierte Versorgungsimmobilien aus? Gibt es unterschiedliche Konzepte?
Prof. Dr. Christian Höftberger: Modern konzipierte Versorgungsimmobilien sind vielfältig und bunt, in jedem Fall integriert und vernetzt organisiert sowie mit hohem Digitalisierungsgrad ausgestattet und geprägt von hoher Aufenthaltsqualität. Sie decken möglichst all jenen Fachrichtungen ab, die die jeweilige Region, z.B. der Landkreis oder eine Stadt bzw. Kommune braucht.
Das schafft attraktive Arbeitsplätze, kurze Wege zwischen den AkteurInnen in einer arbeitsteiligen Medizin und erhöht die Zufriedenheit der PatientInnen mit ihrer Behandlung und Betreuung. So wird – auch weil viele ÄrztInnen unter einem Dach arbeiten – Hilfe und Betreuung an allen Wochentagen, von früh bis spät und an vielen Orten auch am Samstag geboten, was für Werktätige besonders attraktiv ist. Je mehr solcher Angebote, desto weniger fehlt eine stationäre klinische Struktur, die sich ohnehin nun wahrscheinlich durch das KHVVG (KrankenhausversorgungsverbesserungsG) verändern wird.
Frage: Werden nur Immobilien benötigt oder sind auch arrondierende Strukturen wichtig?
Prof. Dr. Christian Höftberger: Ja, das ist ein guter und wichtiger Punkt. Gesundheitsversorgung muss in Regionen organisiert und gedacht werden: digital, ambulant, stationär und rehabilitativ bzw. pflegerisch und therapeutisch. Die Zahnräder der einzelnen Leistungserbringer müssen gut ineinander greifen und miteinander arbeiten. Dazu passt es gut, wenn auch in nicht mehr benötigten Krankenhausstrukturen neue Angebote, wie eine Kurzzeitpflege oder eine „Patientenhotel-Struktur“ etabliert werden. Als Musterbeispiel führen wir dabei immer Pohlheim an, eine mittelhessische Kommune mit rund 20.000 Einwohnern in ihrem Einzugsbereich. Dort stehen 5 Ärzte- und Gesundheitszentren flankiert von einem Altenheim und zwei Supermärkten auf einer ehemaligen Pferdekoppel. Die trägt die Adresse „Neue Mitte“ und kooperiert intensiv mit der nahegelegenen Asklepios Klinik Lich. Das funktioniert seit mehr als 10 Jahren – z.T. auch mit Ärztinnen und Ärzten, die ambulant und stationär tätig sind – hervorragend und hat dazu geführt, dass dort eines der größten deutschen Enddarm-Zentren mit höchstmöglichen Zertifizierungen und herausragender Reputation entstanden ist und wirtschaftlich erfolgreich betrieben werden kann. Solche Projekte erfreuen dann auch Politik und Behörden, weil die gemeinsamen Interessen an einer gesicherten Gesundheitsversorgung so kosteneffizient und gleichzeitig mit hoher Qualität erfüllt werden können.
Berthold Becker in der Immobilienzeitung
In einem exklusiven Interview mit der Immobilienzeitung spricht unser Geschäftsführer Berthold Becker über die Chancen und Herausforderungen im Health-Care-Immobilienmarkt. Dabei geht es um die Rolle internationaler Investoren und die langfristige Bedeutung von nachhaltigen Gesundheitsimmobilien in Deutschland.
Lesen Sie das vollständige Interview, um mehr zu erfahren: https://www.iz.de/unternehmen/news/-joint-venture-the-healthcare-expertswill-mehr-als-aerztehaeuser-2000028510
Die Investitionsmöglichkeiten in den Bereichen Health Care, Health Care Infrastructure und auch Life Science sind vielfältig und mit hohem Potenzial sowie mit stabilen und nachhaltigen Renditen verbunden. Die jüngsten Transaktionen sind Beleg für das Investoreninteresse. Mit unserer spezifischen Expertise und langjährigen Erfahrung sowie einem breiten Netzwerk unterstützen wir Sie dabei, die besten Chancen zu nutzen. Sprechen Sie uns gerne an – wir freuen uns auf Ihre Nachricht!
Ihr Berthold Becker
Geschäftsführer TSC Real Estate Germany